Journal
Wir haben das in der letzten Retro angemerkt, dass Notizen in fünf Apps liegen und beim Stand von Dienstag das halbe Team mitsucht. Also haben wir das Schreiben vom Sortieren getrennt. Alles landet im heutigen Eintrag. Sortiert wird beim Lesen, nicht beim Schreiben.
Warum die Notizen in fünf Apps zerfasern
Vor vier Wochen lagen Team-Notizen in Slack-Threads, Notion-Subseiten, Apple Notes auf dem Telefon, Outlook-Entwürfen und einer Whiteboard-Datei in Figma. Im Daily Standup fiel auf, dass drei Leute denselben Kundeneinwand notiert hatten — an drei Orten, mit drei leicht unterschiedlichen Wordings.
Ich weiß, ich habe das aufgeschrieben. Ich weiß nur nicht mehr, wohin.
Capture-Zeit pro Notiz lag bei rund 40 Sekunden, weil jeder vor dem Schreiben entschieden hat, in welche App das Ding gehört. Diese Entscheidung ist die Reibung. Die wollten wir weg haben.
5 Regeln, mit denen wir das Journal fahren
- Capture vor Sortierung. Erst rein in den Tagesblock, dann beim Lesen entscheiden, was draus wird.
- Ein Tagesblock pro Tag. Datum als Titel, alles andere ist Inhalt — Meetings, Telefonate, Halbgedanken, Links.
- Action via TODO. Wenn etwas zu tun ist, kommt ein TODO-Marker davor. Sonst bleibt es Notiz und gut.
- Properties statt Ordner. Tags und Properties (#kunde, status::offen) ersetzen Ordnerbäume. Wir haben null Subseiten.
- Verarbeitung als Wochenritual. Donnerstags 30 Minuten — TODOs in Wiki-Seiten ziehen, Rest archivieren.
Vorher/Nachher — Slack/Notion/Notes/Outlook vs. Daily-Block
| Vorher | Nachher |
|---|---|
| Kundeneinwand: Slack-Thread | Tagesblock 2026-05-04, #kunde-acme |
| Idee aus dem Pendeln: Apple Notes | Tagesblock, gleicher Eintrag, später getaggt |
| Action Item aus Standup: Outlook-Entwurf | TODO @lena im Tagesblock |
| Meeting-Mitschrift: Notion-Subseite | Tagesblock, Donnerstag in Wiki überführt |
| Suchen über 5 Apps | Volltextsuche über alle Tagesblöcke |
Capture-Zeit pro Notiz: minus 58 Prozent (von 40 auf 17 Sekunden, gemessen über zwei Wochen mit Stoppuhr im Standup-Kanal). Notizen, die in der Inbox verloren gehen: null, weil es keine Inbox mehr gibt — nur den heutigen Block. Inbox-zero-Rate nach vier Wochen: 92 Prozent der Donnerstage haben wir das Wochenritual durchgezogen.
Was wir nicht ändern mussten
Slack bleibt Slack für Konversation. Outlook bleibt für Mails. Figma bleibt für Whiteboards. Das Journal ersetzt den Notizteil — also das, was vorher in Notion und Apple Notes lag. Drei Apps weniger im Kopf, nicht null.
Ehrliche Frage — wo steht Deine Notiz von gestern Mittag?
Wenn die Antwort im Notion liegt, oder im Slack-Thread, oder in Apple Notes, oder im Outlook-Entwurf — dann hast Du dasselbe Problem, das wir hatten. Die Reibung sitzt nicht im Schreiben. Sie sitzt in der Entscheidung, wohin geschrieben wird.
Ich vermisse das Sortieren beim Schreiben nicht. Ich vermisse nur manchmal das Gefühl, produktiv zu sein, weil ich aufgeräumt habe.
Probier es eine Woche. Ein Tagesblock pro Tag, alles rein, donnerstags 30 Minuten verarbeiten. Wenn es nach vier Wochen nicht trägt, hast Du vier Wochen Notizen an einem Ort und kannst sie umziehen. Das ist der billigste Test, den wir kennen.
Diskussion
Ein Eingang. Kein Sortieren beim Schreiben.
Schreib erst, sortier später. Dein Zweitgehirn nimmt den Tag auf, wie er kommt — ein Begleiter, der nichts verlangt außer dem heutigen Block.
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